Auszubildende und Nachwuchskräfte dringend gesucht
Shownotes
Azubi-Krise – so soll der Job wieder attraktiv werden
Der Fachkräftemangel im Tourismus verschärft sich weiter. Junge Menschen kehren der Ausbildung zur Tourismuskauffrau oder zum Tourismuskaufmann den Rücken – trotz Vielfalt und der Aussicht auf regelmäßige Reisen. Doch die Ansprüche der jungen Generation steigen. Was für die Trendwende jetzt getan werden muss.

Der Tourismus steckt in einer Nachwuchskrise. Das machen auch die neuesten Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung deutlich, die mit 957 Neuverträgen zur Ausbildung zum Tourismuskaufmann einen Rückgang von 6,4 Prozent belegen. Dazu kommt eine hohe Abbrecherquote in der Ausbildung von rund 30 Prozent. Doch warum wollen junge Leute nicht mehr in der "in der schönsten Branche der Welt" arbeiten?
Im fvw|TravelTalk-Experten-Talk gehen Ulrike Katz, DRV-Vizepräsidentin, Lena Kowalzik, Reiseverkäuferin und Ausbilderin im ADAC Reisebüro Weser-Ems, Gregor Leiß, Abteilungsleiter Tourismus BS und BfS der Beruflichen Schule für Logistik, Schifffahrt und Touristik, und die Dertour-Auszubildende Lara Vogt dieser Frage auf den Grund.
Lara Vogt fühlt sich derzeit "megawohl" bei ihrer Ausbildung bei Veranstalter Dertour. Für Gregor Leiß und Lena Kowalzik ist es die "schönste Branche der Welt", und für Ulrike Katz kann die Ausbildung zum Tourismuskaufmann oder zur Tourismuskauffrau "viele Türen öffnen". Also ist doch eigentlich alles in Ordnung? Eher nicht.
Verstaubtes Image, alter Lehrplan Denn neben unterdurchschnittlichen Gehältern in der Branche hat das Ausbildungsimage über die Jahre viel Staub angesetzt. Das untermauern der sogenannte Rahmenlehrplan, der seit 2011 nicht mehr angefasst wurde, und ein aktuelles Vorstellungsvideo für den Beruf von der Agentur für Arbeit, das im Experten-Talk gezeigt wurde und schon lange nicht mehr der Realität des Jobs entspricht: "Da wird ein falsches Bild vermittelt, was den Beruf ausmacht, und da müssen wir was tun", sagt Katz. Das Video sei fehlleitend.
Leiß nimmt – wohl auch deswegen – lieber Ausbilder und Fachkräfte aus der Branche mit in seine Schulklassen, um für das Berufsbild beim Nachwuchs zu werben. Doch reicht das aus? Der erneute Rückgang bei den abgeschlossenen Verträgen spricht eine andere Sprache. "Alle Branchen fischen derzeit eben im gleichen Teich", sagt Leiß angesprochen auf die Suche nach Auszubildenden.
Denn der demografische Wandel mit den geburtenschwachen Jahrgängen trifft natürlich auch den Tourismus. "Dazu kommt, dass wir beispielsweise mit den Pleiten von FTI und Thomas Cook vor einigen Jahren auch große Ausbilder verloren haben", sagt Katz. Wer nicht mehr da sei, könne auch nicht mehr ausbilden.
Die DRV-Vizechefin legt aber auch den Finger bei bestehenden Unternehmen in die Wunde und nimmt diese in die Pflicht: "Ich muss auch mit dem erhobenen Finger auf einige Unternehmen schauen", sagt Katz. Viele würden die Ausbildung gar nicht anbieten, weil sie mit den heutigen Anforderungen der Azubis, beispielsweise beim Thema Homeoffice, nicht umgehen könnten.
Sie legt sich daher auch fest: "Wir werden nicht mehr auf die Ausbildungszahlen zurückkommen, die wir vor der Pandemie hatten, das ist meine Prognose." Gleichzeitig wissen die jungen Leute laut Berufsschullehrer Leiß oft gar nicht mehr, dass es diesen Beruf noch gibt: "Wir müssen das mehr nach außen tragen."
Laut Kowalzik, die auch als Ausbilderin tätig ist, gibt es auch Problem mit Vorurteilen: Wenn sie Leuten erzähle, was sie mache, dann höre sie oft Sätze, wie: "Ach, du Arme, hast du keine Angst? In drei Jahren macht das doch die KI?".
KI kann Mensch am Counter nicht ersetzen Doch sie habe "gar keine Angst. Weil die KI den Kontakt von Mensch zu Mensch nicht ersetzen kann." Viele schätzen laut der ADAC-Ausbilderin die Fachkraft, die im Ernstfall helfen kann. "Es kommen sogar viele junge Menschen bei uns ins Reisebüro, die sich durch die große Anzahl der aufblinkenden Angebote im Netz überfordert fühlen und daher die Beratung im Reisebüro zu schätzen wissen." Lara Vogt gehört auch noch zur jungen Generation und hat sich trotzdem für den Weg im Tourismus entschieden: "Ich durchlaufe bei Dertour viele Abteilungen, kann viel sehen und werde bei jeder neuen Aufgabe sofort von den Kollegen mitgenommen."
Genau das seien auch Faktoren, die ihrer Meinung nach wichtig seien, um junge Menschen für den Job zu begeistern: "Ich denke, Auszubildende wollen gehört und auf Augenhöhe wahrgenommen werden und wünschen sich einen offenen Austausch, um auch ihre Ideen einbringen zu können. Denn die Ausbildung ist keine Einbahnstraße."
Die Abbrecherquote von rund 30 Prozent zeigt deutlich, dass zwischen der guten Erfahrung, die Vogt derzeit macht und der generellen Ausbildung von jungen Touristikern offenbar eine große Lücke klafft. Daher sind Katz und Kowalzik auch für eine grundlegende Überarbeitung der Ausbildungsverordnung. "Wir müssen uns einfach die Frage stellen, wie wir in den nächsten Jahren arbeiten", fasst Katz zusammen.
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