KI im Reisebüro

Shownotes

In welchem Bereich hat der Einsatz von KI den Arbeitsalltag im Reisebüro längst verändert?

Welche Tools werden genutzt, um die Arbeit zu erleichtern? Welche Aufgaben kann künstliche Intelligenz bereits heute eigenständig übernehmen, ganz ohne menschliche Kontrollinstanz? Wo braucht es sie dennoch? Und an welchen Stellen könnte kurz- oder mittelfristig zusätzlicher Aufwand durch die Integration von KI entstehen?

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Über diese und weitere Fragen haben wir mit Alexander Mirschel, KI-Experte von Realizing Progress und Rainer Gnyp, Bereichsleiter von Meinreisebüro24 gesprochen.

**Es gibt einen Fünf-Stufen-Plan von Open AI, der Firma, die unter anderem ChatGPT bereitstellt. **Demnach befinden wir uns aktuell in Stufe drei, in der KI-Agenten immer mehr verfügbar sind.

Gehen würde es laut diesem Plan bis zur komplett KI-gesteuerten Entität in Stufe fünf, wo es Menschen nicht mehr bräuchte. "Da ich gehe ich nicht mehr mit", sagt Alexander Mirschel, KI-Experte von Realizing Progress, im Experten-Talk auf fvw.de. Von Chatbots und KI-Agenten könne man aber auch im Reisebüro-Alltag gut profitieren.

Automatisierte E-Mails und Angebote

Wie genau, darum ging es im Live-Talk, und dafür hatten die Experten mehrere Beispiele parat. So unterscheiden sie zwischen den Vorteilen, die die KI dem Reisebüro auf interner Ebene bringt, und zwischen dem Nutzen, den sie in Zusammenarbeit mit den Kunden bringt. So verschickt der KI-Reiseassistent Toni von Meinreisebüro24 etwa automatisierte E-Mails mit Angeboten an die Kunden, die sogenannten Magic Mails.

"Toni analysiert, welche Angebote passend sind anhand der Historie der Kunden", erklärt Rainer Gnyp, Bereichsleiter von Meinreisebüro24. "Wir nehmen da einen kompletten Arbeitsschritt raus." Toni sei quasi ein "digitaler Mitarbeiter im Reisebüro".

Die Arbeitserleichterung: Die Reisebüros müssten sonst die Kundendaten selbst analysieren und schauen, wohin der Kunde gern reist, ähnliche Angebote raussuchen und diese an die Kunden schicken.

Bessere Erreichbarkeit, besserer Überblick Alexander Mirschel hat weitere Beispiele für eine gute KI-Nutzung am Counter: Ein Reisebüro hat etwa mit KI ein Dashboard gebaut, auf dem die Mitarbeitenden sehen können, wo die Kunden in den nächsten zwei Wochen unterwegs sind. So haben sie einen besseren Überblick und können bei Problemen oder Fragen schneller reagieren.

Außerdem könne die KI eine Lücke am Sonntag schließen: "Der größte Zugriff auf touristische Seiten findet sonntags statt, denn da haben die Menschen Zeit. Aber sonntags haben Reisebüros geschlossen." KI-Tools können so die Sichtbarkeit, Wahrnehmung und Erreichbarkeit erhöhen – auch über die Öffnungszeiten hinaus.

"Es geht nicht darum, dem Reisebüro etwas wegzunehmen", betont Mirschel – im Gegenteil. Denn bei der herkömmlichen Online-Suche wäre der Kunde vielleicht gar nicht im Reisebüro gelandet, sondern direkt bei einem OTA. Der Chatbot von Toni etwa verweist die Nutzer aber direkt auf ein Reisebüro aus dem Meinreisebüro24-Pool.

Faktor Mensch immer noch das A und O

Wichtig sei bei der Nutzung von KI aber auf jeden Fall, dass immer noch ein Mensch dahintersteht, wie die beiden Experten mehrfach im Laufe des Talks betonen. "Es ist wichtig, die Qualitätssicherung ganz hoch zu hängen, sonst verwässert der Faktor Mensch", so Mirschel. Das gelte auch für die Kommunikation nach außen, beispielsweise im Social-Media-Bereich.

Beide KI-Experten entpuppen sich als Fans von Viralspoon, das den Reisebüros per KI dabei hilft, Beiträge für Social Media zu erstellen. Dabei dürften auch KI-Bilder genutzt werden, aber man müsse darauf achten, "dass Reisebüros Menschliches weiterhin nach vorn stellen", sagt Mirschel. "Marken, Wahrnehmung und Sichtbarkeit sind im KI-Zeitalter sehr wichtig." Das, was gepostet werde, müsse auch zur Marke passen.

KI-Tipps fürs Reisebüro

Mirschel und Gnyp haben noch mehr Tipps fürs Reisebüro im Gepäck: Es sei besser, sich nur auf ein KI-Tool zu fokussieren, anstatt immer neue Tools auszuprobieren und immer wieder bei null anzufangen. "Ein kleines Reisebüro sollte sich außerdem mit dem Team zusammensetzen und über die Ängste und Bauchschmerzen sprechen, die mit KI zusammenhängen. Ich bin mir sicher, gute Reisebüros wird es in einem Zeitalter der Überinformation weiterhin brauchen", so Mirschel.

Der Fokus könne sich aber ändern, weg von Sun-&-Beach-Pauschalreisen, die sich über den Preis verkaufen, hin zu speziellen Produkten, "wo man als Mensch glänzen kann". Aber: "Die Motivation muss intrinsisch kommen", so Mirschel weiter. "Die Zeit des Abwartens ist vorbei, wir müssen jetzt agieren."

Gnyp ergänzt außerdem, dass nicht nur die Tech-Experten und Nerds mitgenommen werden dürfen, sondern auch und vor allem die Mitarbeitenden, die am Counter sitzen. Hier appelliert er an die Reisebüros, regelmäßig untereinander in den Austausch zu gehen.

Schnelle Entwicklung birgt bereits weitere Ideen

Bei der Unterstützung seien aber auch die Kooperationen und Führungsetagen gefragt, so Mirschel wiederum: "Die wichtigste Aufgabe ist, Wissen und Kompetenzen und den Umgang mit KI zu vermitteln." Und das fortlaufend, denn KI entwickle sich schnell weiter.

Dementsprechend hat Gnyp bereits Ideen, wie Toni in Zukunft weiterentwickelt werden könnte: So könnten den Kunden etwa je nach Bundesland, in dem sie leben, unterschiedliche Angebote zugeschickt werden. Außerdem könnte Gnyp sich auch vorstellen, den Reisebüros künftig eine größere Schulungsplattform, die sie ebenfalls zum Austausch nutzen können, zur Verfügung zu stellen.

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