Wettbewerb – auch im Reisevertrieb

Shownotes

Die Nationale Tourismusstrategie,

die gleich zu Beginn von der neuen Bundesregierung verabschiedet worden war, hat aus Sicht von Karliczek die Schwerpunkte für die Politik in der Reisebranche gesetzt. "Ganz oben steht die Wettbewerbsfähigkeit, das zieht sich durch viele Themen, vom Fachkräftemangel über die Digitalisierung und KI bis zur Nachhaltigkeit", sagte sie in einem von Alexander Krug und Bianca Wilkens moderierten Live-Talk im Studio in der Hamburger Redaktion von fvw|TravelTalk.

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"Die gesamte Branche hat kleine Margen und hohe Investitionskosten. Wir müssen deshalb den Unternehmen mehr Luft verschaffen, damit sich Investitionen schnell amortisieren." Der Investitionszyklus sei schneller geworden, gleichzeitig stiegen die Erwartungen der Kunden. Als Beispiel nannte sie die seit dem Jahresbeginnn von 19 auf 7 Prozent ermäßigte Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie.

"Das Schnitzel wird dadurch nicht billiger, aber die Betriebe brauchen mehr Spielraum, damit sie investieren und ihre Mitarbeiter vernünftig bezahlen können." Schließlich sei es heute nicht leicht, Personal zu finden, das auch gern abends und am Wochenende arbeitet, so die gelernte Bankkauffrau, Hotelfachfrau und studierte Betriebswirtin, die lange im familieneigenen Hotel arbeitete.

Da es in der Gastronomie viele Minijobs gibt, unterstützt sie die Forderung der Verbände, diese zu erhalten. "Wir müssen die Flexibilität für Zusatzarbeitsverhältnisse erhalten, da das Arbeitsaufkommen abhängig vom Wetter und der Saison nicht immer planbar ist. Aber wir müssen die Fehlanreize rausnehmen." Damit meint sie, dass Minijobber in der Regel von der Krankenversicherung befreit sind und sich von der Rentenversicherung befreien lassen können.

Cashback von OTA lässt sich nicht einfach verbieten

Aufmerksam verfolgt Karliczek die Debatte um die Zukunft der Reisebüros, die nach ihrer Ansicht besonders für komplexere und beratungsintensivere Reisen wichtig bleiben. "Je digitaler wir alle werden, desto wichtiger wird der persönliche Kontakt und der Mehrwert durch eine qualitative Beratung", so die Münsterländerin.

Vielen Reisebüros sind die Cashback-Offerten von OTA, besonnders von Marktführer Check24, ein Dorn im Auge. Doch das zu verbieten wäre nicht nur rechtlich schwierig. "Wenn es die Rückvergütung in dieser Form nicht mehr gäbe, würden die OTA sicher neue Formen erfinden." Zudem sei sie prinzipiell dagegen, "wieder neue Regelungen zu schaffen, die kaum durchsetzbar oder nur schwer zu kontrollieren sind".

Öffentliche Anhörung im Tourismusausschuss

Die Situation von Reisebüros und Reiseveranstaltern wird auch Thema einer öffentlichen Anhörung am 23. September im Bundestag. Zu der Sitzung, die auf der Website des Bundestags übertragen wird, sind unter anderem DRV-Präsident Albin Loidl und die VUSR-Vorsitzende Marija Linnhoff sowie Unternehmen eingeladen.

Angesprochen auf das angespannte Verhältnis der beiden, meinte Karliczek: "Ich finde es nicht schlimm, wenn eine Diskussion auch mal emotionaler geführt wird. Man darf nur die Brücke nicht zerstören, so dass die Kontrahenten hinterher kein Bier mehr zusammen trinken würden oder keine Kompromisse mehr finden. Und das ist nach meiner Wahrnehmung nicht der Fall."

Viele Verbände stellen Forderungen an die Politik. Die Luftfahrt beklagt hohe Standortkosten und Gebühren und fordert, dass die Luftverkehrssteuer ganz gestrichen wird. Auch Karliczek spricht sich nach der jüngsten Senkung für eine weitere Entlastung aus: "Die Luftfahrt ist ebenfalls margenschwach und muss hohe Investitionen finanzieren. Die Nachfrage ist da, aber das Angebot ist nach der Pandemie noch zu niedrig."

Es habe mal die Absicht gegeben, die Luftverkehrssteuer mit dem steigenden CO2-Preis zurückzuführen, was sie sinnvoll finde. "Ich habe den Bundesfinanzminister bereits darauf angesprochen und werde das weiterführen", sagte die frühere Bundesministerin für Bildung und Forschung unter Kanzlerin Angela Merkel.

Luftfahrt sei nicht nur für den Tourismus zentral, sondern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, verdeutlicht sie am Beispiel ihrer Heimatregion mit dem Flughafen Münster/Osnabrück: "Wir mussten kämpfen, damit Lufthansa die einzige Drehkreuz-Verbindung beibehält. Dieser Flug ist für unsere mittelständische Wirtschaft, die international aktiv ist, sehr wichtig."

Der Tourismusausschuss wird auch bei der Umsetzung der reformierten EU-Pauschalreise-Richtlinie ins Spiel kommen. Karliczek spricht sich dafür aus, dass die EU-Vorgabe seitens des deutschen Gesetzgebers nicht noch verschärft wird. Ein Streitthema ist die außergerichtliche Streitbeilegung, die das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz forcieren möchte. Verbraucherschützer begrüßen dies.

Verbände wie DRV und ASR sowie Vertreter von Veranstaltern erklärten dagegen vor einer Woche bei einem Runden Tisch, die Branche verfüge bereits über ein funktionierendes Beschwerdemanagement, gerichtliche Auseinandersetzungen seien vergleichsweise selten. Hinzu kommen Sorgen vor zusätzlichem Personalaufwand, Kosten und Mitnahmeeffekten. Karliczek sagte bei dem Live-Talk, sie unterstütze generell freiwillige Ombudsstellen, um die Gerichte zu entlasten, sprach sich aber klar gegen eine verpflichtende Teilnahme aus.

Karliczek begrüßte in dem Talk weiter, dass der Deutsche Reisesicherungsfonds (DRSF) die Entgelte der Veranstalter zum neuen Touristikjahr senkt. Zum 1. November 2026 halbiert der Fonds die Entgelte pro Jahr von bisher 0,5 Prozent auf künftig 0,25 Prozent des absicherungspflichtigen Pauschalreiseumsatzes des Vorjahres und differenziert stärker bei den Sicherheitsleistungen.

"Wenn noch eine weitere Absenkung machbar wäre, wäre das gut, denn das entlastet auch die Verbraucher", sagte die Ausschussvorsitzende. Nach der Aufbauphase des DRSF gehe es nun darum, das Anlagemanagement zu verbessern.

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