Schweröl vs. Marinediesel - Kreuzfahrtdebatte

Shownotes

„Der Weckruf ist schon lange passiert. Die Branche hat sich auf den Weg macht.“ (Georg Ehrmann, Clia)

Bereits seit 2013 veröffentlicht der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sein – seitdem immer ausgefeilteres – Ranking zur Klima- und Umweltverträglichkeit von Kreuzfahrt-Reedereien. Mindestens so lange hält auch die Kritik der Branche an der Bewertung an, die die eigenen Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit meist nicht ausreichend gewürdigt sieht.

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Genau das war auch einer der Kritikpunkte von Georg Ehrmann, Deutschland-Chef des internationalen Kreuzfahrtverbandes Clia. "Die Branche hat sich auf den Weg gemacht" betonte Ehrmann beim Experten-Talk zum aktuellen Kreuzfahrt-Ranking des Nabu auf fvw.de. Vor 15 Jahren habe die Kreuzfahrt noch ganz anders ausgesehen. Allein in den vergangenen fünf Jahren seinen die CO₂-Emissionen um fast 20 Prozent reduziert worden. Eine Entwicklung, die er im aktuellen Ranking nicht abgebildet sieht.

Das Ranking sei ein Tool, um das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, meinte Ehrmann, der neben Raija Koch, Nabu-Referentin Schifffahrt, und Johannes Bade, Projektingenieur Konzeptdesign Meyer Werft, am dem rund einstündigen Talk teilnahm. Er halte sich lieber an konkrete Zahlen, so der Clia-Vertreter. Und die zeigten eben doch große Fortschritte der Reedereien im Bereich von Klima- und Umweltschutz. Ehrmann: "Der Weckruf ist schon lange passiert. Die Branche hat sich auf den Weg macht."

Dass es Verbesserungen gibt, erkennt dabei auch der Nabu an. Allerdings: "Aus unserer Sicht tut sich zu wenig", wie Schifffahrt-Referentin Raija Koch im Experten-Talk anmerkte. Das spiegelt sich auch im Ranking wider, im seit Jahren eben nur wenig Bewegung herrscht und Havilla Voyages und Hurtigruten seit Jahren die Wertung anführen.

Koch verwehrte sich dagegen, dass es sich beim Ranking um eine rein qualitative Bewertung. Man würde natürlich auf Zahlen zurückgreifen und verwies unter anderem auf den neu eingeführten Punkt "EU Klima-Emissionstrend", bei dem man explizit die Emissionsdaten der Reedereien, die innerhalb Europas anfallen auswertet und in das Ranking einfließen.

Unterschiedlich bewerten Koch und Ehrmann auch den Einsatz von Schweröl. Hier, so Ehrmann, sei man mittlerweile bei einem Anteil von weniger als 50 Prozent angelangt mit sinkender Tendenz. Ein Fortschritt durchaus, der aus Sicht von Koch allerdings noch deutlich ausbaufähig ist. Mehr wäre möglich, allein durch den Einsatz von Marinediesel. Von den untersuchten zwölf Reedereien verzichten heute schon vier ganz auf das billige Schweröl, beispielsweise HX Expeditions oder Hurtigruten. Auch der Hinweis von Ehrmann, durch die Verwendung von sogenannten Scrubbern und weiteren Filtern Abgase zu reduzieren, verfing bei Koch nicht. Denn auch bei deren Einsatz und entsprechenden Filtern gelangten Schwermetalle in die Umwelt. Koch: "Das Problem wird hier nur von der Luft ins Wasser verlagert." Es sei "erschreckend, wie hoch der Anteil des Schweröls noch ist."

Ehrmann deutete zumindest an, dass sich hier noch mehr tun wird. Die Reedereien seien auch hier auf dem Weg und das Interesse, den umweltschädlichen Treibstoff langfristig zu nutzen, sei auch bei den Unternehmen nicht vorhanden. Alternative Kraftstoffe und Antriebe würden wichtiger. Zum Hochfahrenvon Produktion und Einsatz bedarf es allerdings auch der Unterstützung der Politik und entsprechender Rahmenbedingungen.

Das noch viel Arbeit vor der Branche liegt, räumte auch der Clia-Vertreter ein. Bei dem Bemühen um mehr Nachhaltigkeit setzt er zudem stark auf Digitalisierung und KI – zwei Mittel, um gerade die Effzienz von Klimaschutzmaßnahmen (und zugleich der Wirtschaftlichkeit) auf Kreuzfahrtschiffen weiter zu steigern. Zugleich machte er deutlich, dass die Kreuzfahrtbranche insgesamt schon deutlich weiter sei, als die allgemeine Schifffahrt. Deren CO₂-Emissionen seien in den vergangenen Jahren lediglich um etwa 8,5 Prozent gesunken. Ehrmann: "Wir sind die Frontrunner."

Was mittlerweile möglich ist, machte Johannes Bade, Projektingenieur Konzeptdesign bei der Meyer Werft, deutlich. Er stellte das Project Vision des Papenburger Schiffbauers vor. Dahinter verbirgt sich ein batterie-elektrisches Kreuzfahrtschiff, dass vollständig auf fossile Treibstoffe verzichtet. Ausgelegt ist das Schiff auf knapp 2000 Passagiere. Mit einer Ladeleistung von 16 Megawatt kann es Strecken von bis zu 1000 Kilometern zurücklegen. Die Kosten eines solchen Schiffes lägen, bezogen auf die Passagiere, etwa drei bis fünf Prozent über denen herkömmlcher Schiffe, erläuterte Bade. Aufträge liegen dabei noch keine vor. Doch: "Wir reden mit den Reedereien", so Bade. Man laufe offene Türen ein. Zumindest perspektivisch könnte in das Kreuzfahrt-Ranking also doch mehr Bewegung kommen.

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